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7 Fragen an … Hans-Peter Steinacher

 Ein Artikel von Hans Adrowitzer

Er ist ein sportliches Allroundtalent: Exzellenter Skifahrer, Hobby-Eishockeyspieler – aber so richtig in seinem Element ist Hans-Peter Steinacher auf dem Wasser. Der zweifache Olympiasieger im Segeln – ein Kunststück, das nicht vielen österreichischen Sportlern gelungen ist – macht sich auch viele Gedanken über die heimische Sportpolitik. Und er fordert ein Umdenken!

1) Hans-Peter, wie erinnerst du dich an den schönsten Moment deiner erfolgreichen Segelkarriere?
Ich bin nach wie vor sehr oft damit konfrontiert, vieles in meinem Leben wird natürlich damit in Verbindung gebracht. Alle vier Jahre werden die Bilder von Sydney und Athen wieder verwendet, um eine erfolgreiche Ära der Österreicher bei Olympia darzustellen. Man merkt, dass ein Olympiasieg etwas ganz Besonderes ist.

2) Wie viele Stunden/Tage pro Jahr verbringst du mit deinem kongenialen Partner Roman Hagara auf dem Wasser?
Auf dem Wasser circa 100 Tage im Jahr, und etwa gleich viele Tage an Land, um unsere gemeinsamen Projekte im Segelsport zu verwirklichen.

3) Was ist für dich die größte Faszination am Segelsport?
Der Segelsport steht nie still. Durch neue Materialien und Entwicklungen werden die Boote immer schneller und interessanter zu segeln. Wir brauchen keinen Tropfen Benzin und fahren schneller als ein Wasserskiboot.

4) Wenn du mit deiner Frau, deiner Tochter und deinem Sohn Urlaub machst: Nimmst du sie mit aufs Segelboot oder geht ihr lieber in die Berge?
Beides. Die Berge haben wir in Zell am See vor der Haustür, wir leben ja doch am schönsten Fleck der Welt. Meine Familie fährt aber auch sehr gerne mit mir zu den Bewerben. Wir segeln an sehr schönen Plätzen und teilweise sogar im Zentrum großer Städte.

5) Du warst bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Rio Kolumnist für die SN. Wie beurteilst du das Abschneiden des österreichischen Teams?
Die Leistungen waren natürlich komplett unterschiedlich. Das wird auch immer so bleiben. In dieser Woche oder an diesem Tag muss alles zusammenspielen. Unsere Sportler mit Medaillenchancen waren sehr gut vorbereitet und haben die Möglichkeit gehabt, eine Medaille zu gewinnen. Bitte nie vergessen: Die gesamte Welt versucht das auch. Wir sind zurzeit im Spitzensport nur sehr dünn aufgestellt. Die Möglichkeit, bei den Olympischen Spielen nicht in den Top 3 zu landen, ist sehr groß. Es gibt keine österreichischen Athleten, die eine Sportart im Sommer dominieren.

6) Waren da Olympiatouristen dabei, wie manch ein Kritiker erklärt hat?
Unsere Qualifikation ist hart und wird auch nie dazu führen, dass Olympiatouristen mitreisen. Eine Teilnahme an den Olympischen Spielen kann auch ein ganz wichtiger Bestandteil einer Vorbereitung für die nächsten Spiele sein.

7) Wenn du als Sportminister entscheiden könntest: Was würdest du im österreichischen Sommersport ändern, um wieder mehr Medaillen zu gewinnen?
Wenn wir auf diesem Niveau mitreden wollen, können wir keine Kompromisse eingehen. Wir müssen alles, was der Sport verlangt, und darüber hinaus noch unsere eigenen Wege verfolgen – und vor allem finanzieren. Es wird Jahre dauern, hier eine Veränderung zu spüren. Das beste Beispiel sind Länder, die Olympische Spiele ausrichten. Man bekommt den Zuschlag circa acht Jahre im Voraus. Dann wird ein Sportprogramm aufgestellt mit allen notwendigen Einzelbereichen. Immer wieder faszinierend ist, wie erfolgreich diese Länder sind. Die Australier zum Beispiel, oder die Briten. Wie gesagt: Keine Kompromisse – entweder ganz oder gar nicht!

Hans-Peter Steinacher, geboren am 9. September 1968 in Zell am See, wurde mit seinem Partner Roman Hagara 2000 bei den Olympischen Spielen in Sydney und 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen Olympiasieger im Tornado. Die beiden Segler vom UYC Zell am See waren das erste Team, das in dieser Disziplin zwei Mal in Folge den Sieg errang. Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking war Steinacher Fahnenträger der österreichischen Olympiamannschaft.
Aktuell stellen sich Steinacher/Hagara der Herausforderung „Red Bull Extreme Sailing Tour.“

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