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Ärztemangel am Land spitzt sich zu

Knapp die Hälfte der Pinzgauer Hausärzte erreicht in den kommenden zehn Jahren das Pensionsantrittsalter. Junge Mediziner, die die Arztpraxen am Land fortführen, finden sich dagegen oftmals nur schwer.

Gregor Gems hat sich nach seinem Studium für die Allgemeinmedizin entschieden. Seit Jänner ordiniert er in Maria Alm. Eineinhalb Jahre dauerte es, ehe sich mit dem 30-jährigen Saalfeldener wieder ein Kassen-Arzt in der Gemeinde ansiedelte. Gems resümiert nach knapp drei Monaten zufrieden. „Mich freuen vor allem die positiven Rückmeldungen der Patienten. Man kennt die Leute, betreut sie intensiver als im Krankenhaus. Dazu gehören auch viele Kinder, die ich hoffentlich noch lange begleiten darf.“ Generell sei der Kontakt zur Bevölkerung am Land persönlicher als in der Stadt, meint Gems. „Ich denke, dass die Leute noch offener sind, sodass man etwa bei Visiten auch familiäre Probleme anspricht.“

Das Beispiel Maria Alm zeigt, dass die Suche nach Allgemeinmedizinern am Land mitunter langwierig sein kann. Im Pinzgau ordinieren aktuell 37 niedergelassene Kassen-Allgemeinmediziner in 43 Gemeinden. In den kommenden zehn Jahren werden 17 davon das Pensionsantrittsalter von 65 Jahren überschritten haben. Christoph Fürthauer, Referent für Allgemeinmedizin der Salzburger Ärztekammer, befürchtet Versorgungsengpässe. „Ich habe Bedenken, dass es gelingen wird, alle Praxen zeitnah nachzubesetzen, da auch in den Spitälern viele Stellen frei werden, wie etwa bei den Fachärzten. Es wird sich wahrscheinlich die eine oder andere Lücke auftun, die womöglich nicht sofort geschlossen werden kann.“

Gerade in abgelegenen Gemeinden mit großen Versorgungsgebieten gestaltet sich die Suche nach medizinischem Nachwuchs besonders schwierig. Im Pongauer Großarltal wurde im November in Kooperation mit der Ärztekammer Wien nach Interessenten gesucht. Bisher habe sich auf diesem Weg jedoch noch kein neuer Arzt gefunden, erzählt Harald Kürsten, einer der beiden kurz vor der Pension stehenden Allgemeinmediziner im Ort.

Fürthauer sieht mehrere Ursachen für diesen Missstand. „Viele junge Mediziner haben Ängste vor den Verpflichtungen. Die sind nicht ganz unbegründet, zumal ein Hausarzt im Vergleich zu anderen beruflichen Möglichkeiten, wie als Facharzt in einem Krankenhaus, auch Bereitschaftsdienste am Wochenende oder in der Nacht leisten muss.“ Zudem stehe der finanzielle Aspekt nicht mehr so im Vordergrund. „Die Lebensumstände wie Partnerschaften werden heute viel stärker in die beruflichen Überlegungen einbezogen als früher“, erklärt Fürthauer. Hinzu komme, dass etwa 60 Prozent der Medizin-Absolventen weiblich seien. „Gerade für Frauen ist eine Stelle als Hausärztin hinsichtlich der Familienplanung oftmals weniger attraktiv.“ Dabei profitiere der Pinzgau im Gegensatz zu anderen Regionen noch davon, dass viele, die Medizin studieren, ihren Bezug zum ländlichen Raum aufrecht erhalten, sagt Fürthauer. „Es ist also weniger ein medizinisches Problem, sondern die scheinbar mangelnde Attraktivität der Region. Die Erfahrung zeigt aber, dass diejenigen, die bereit sind, sich das anzusehen, auch bleiben.“ Daher setzte die Ärztekammer mit den Lehrpraxen eine Initiative, um angehende Mediziner vom Beruf des Hausarztes zu überzeugen.

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