Der mit dem Licht tanzt

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Der mit dem Licht tanzt

Mascht Leitinger, der Multikünstler: Er flutet das Saalachtal mit seinen „magic moments“ und vielen weiteren zündenden Ideen aus dem  „Alten  Feuerwehrhaus“ in Lofer.
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Fotos: Walter Schweinöster

Unter dem neuen „Teufelssteg“ geht die Post ab. Fast möchte man meinen, die ganze Unterwelt steigt da schaurig-schön aus der Saalach empor. Die ist mystisch in die coolsten Farben getaucht. Das Led-Licht durchzuckt die Paddler, die sich in diesem „Nachtkayaking“ den Weg durch die schäumende Gischt bahnen. Edles Flair bringt Mascht wiederum in die Veranstaltung „Loferer Sommernacht“, wenn er die historischen Bürgerhäuser einleuchtet. In grünes Kunstlicht hüllte er den Eingang der Seisenbergklamm in Weißbach am Gründonnerstag. Gruseliges plant er für die Festung Kniepass in Unken. Graf Drakula soll dort höchstpersönlich bei schräger Musik filmisch auferstehen, während düsterer Nebel langsam, bedrohlich, an den Mauern aus dem Dreißigjährigen Krieg emporkriecht. „Shoot the moon“ holte den Mond zu den Zuschauern am Loferer Loderbichl herab. Dort hatte ihn Hobby-Sternenforscher Jürgen Pfannhauser aus St. Martin mit seinem Teleskop eingefangen. Mascht projizierte ihn auf Leinwand. Die benützt er mitunter auch von hinten – für Schattenspiele der Kinder. Anfragen für Einleuchtungen von Naturkulissen gibt es viele aus dem Pinzgau. Was verwirklicht werden kann, ist vor allem eine Kostenfrage. Denn der Licht- und Tonkünstler muss nicht nur sein Know-how, sondern auch die teure Ausstattung bereitstellen. Aber die Standbeine sind ja breit gefächert bei diesem Multitalent. Für den großen Weihnachtsmarkt im deutschen Oberhausen schnitzte er Krampus und Nikolaus. Ebenso aus Eis fertigte er die „Werkself“-Spieler vor dem „Bayer 04-Leverkusen“-Stadion in Lebensgröße. Ein „Winterwonderland“ zauberte Mascht für die Schmittenhöhe in Zell am See. Dann wurde die tagelange Arbeit kurz vor Eröffnung durch Plusgrade und den Fön zerstört: Gondelbahnen und Wärter waren im Nu zerronnen. „Voi zach“, klagt Mascht darüber im Nachhinein. Das Wetter, dieser Miesmacher! Sieben- von zehnmal hatte es beim „Rubberfreshtival“ am Kniepass gegossen. Das ließ Mascht, den Frontman und Sänger der heimischen Kultband „Rubberfresh“, aber nicht resignieren. Bis zur Erschöpfung warf er sich in die Musik – eine Mischung aus Hardcore, Punk, Rock und Pop. Er faszinierte, provozierte und zog zehn Jahre durch. Man tourte im deutschsprachigen Raum, nahm CDs auf, eine auch im Tonstudio von Frank Borneman in Hannover. Man spielte als Vorband etwa von „Sportfreunde Stiller“. 2010 war dann Schluss mit den Kniepass-Festivals. Teils auch „weil man da eine enorme Verantwortung trägt. Fällt jemand von der Mauer, sind wir als Veranstalter dran“, so der Bandleader. Die Gruppe hat sich aufgelöst, die Eruptionen „on stage“, ja die vermisst er schon hin und wieder. Doch „life goes on“, sagt Mascht, der Wandelbare. Außerdem steht er ja noch als Schauspieler auf der Bühne: Als „Judas“ macht er in der „Loferer Passion“ alle fünf Jahre mit subtilem Mienenspiel die innere Aufgewühltheit des Verräters fühlbar. 

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„Live-Auftritte sind immer auch eine Art Prostitution“

Immer wieder hat der Künstler zu Befreiungsschlägen ausgeholt. Als Maler verschenkte er ad hoc viele seiner Öl- und Aquarellbilder, um sich ganz der Musik zu widmen. Dann tobte er sich mit seiner Band aus, rockte auf vielen Konzerten. Danach kam die Erschöpfung und die große Sehnsucht nach Ruhe. Mascht zog sich drei Monate in die Einsamkeit, in den winterlichen Kniepass, zurück. Seine Werkbank schaffte er mit dem Traktor über die steile Straße hinauf. Während es in der Festung unheimlich knarrte, schnitzte er bis spät in die Nachtstunden hinein. Frisch gestärkt, war er alsdann wieder bereit für exzessive Live-Auftritte, die, wie der heute 39-Jährige betont, „doch immer auch eine Art Prostitution“ seien. Aber das Schnitzen, das war stets heimeliger Rückzug. Als Knabe ging Mascht schon seinem Großvater und Anderlbauern Josef, diesem begabten Schnitzer, zur Hand. Heute sind es viele Auftragsarbeiten, die in seiner Werkstatt entstehen: Krampusmasken, die „Wildsau“-Trophäe für das „Wildsaurennen“ in Lofer, der Unterbau für einen Altar, flachsige Herrgottsfiguren. Gefragt ist auch Maschts Illusionsmalerei, die einem förmlich ins Auge springt. Wie der Stier und die Kuh, die – gierig aufs Bier – in der „Kuhbar“ auf der Loferer Alm aus dem Bild hervorzuschießen scheinen. Im „Haus der Generationen“ in Lofer hat Mascht wiederum seelenvolle Gesichter an Wände gemalt. Seine privaten Gemälde aber, die zeigen viel Zerrissenheit: einen ans Kreuz genagelten Mascht; einen Mann mit versteinerter Miene; eine Frau mit verklebtem Mund. „Gemalt hab’ ich immer, wenn es mir schlecht ging, geschnitzt aber, wenn ich gut drauf war“, sagt der Pinzgauer. Zum Glück hat er Waldemar Stainer, den Farbenfrohen und Fröhlichen, als Nachbarn. Der Künstler hat sich im „Alten Feuerwehrhaus“ eingemietet, nachdem es Mascht 2010 gekauft und umgebaut hatte. Damit wurde für ihn und seine Frau Judith, eine Psychologin, auch die familiäre Ära eingeleitet: Kimi ist 4, Nuka ein Baby. Kimi hat schon eine eigene Trompete und ein kleines Schlagzeug. Auf der Toilette singt er englische Lieder. Apropos: Auch Maschts WC ist eine Art Kunstwerk – verfliest mit tausenden Bierverschlüssen aus der Stieglbrauerei. Das ehemalige Haus der Florianijünger ist durch Mascht zum künstlerischen Treffpunkt Lofers geworden. Er aber wird jetzt für zwölf Tage ins sächsische Hoyerswerda gerufen: Zum Thema „Asyl“ soll er dort auf einem öffentlichen Platz schnitzen. „Es wird ein Stacheldraht aus Esche sein, den ich um einen syrischen Stamm wickle“, verrät er.

 

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