Die Erotik des Essens

Die Erotik des Essens

Was haben Sex und Essen gemeinsam? Beides ist Genuss, beides sollte zum sinnlichen Erlebnis werden. Die richtigen Speisen und Zutaten können – mit einem bisschen guten Glauben – sogar dem Liebes- und Sexualleben auf die Sprünge helfen.

Manche Urvölker erkannten schon früh die Parallelen zwischen Essen und Erotik. So verwendeten sie mitunter dasselbe Wort für ‚speisen‘ und ‚miteinander schlafen‘. Und nicht von ungefähr haben sich Sprichwörter, wie „jemanden einkochen“ und „Liebe geht durch den Magen“ in unserem Sprachgebrauch eingenistet. Tatsächlich, manche Nährstoffe braucht der Körper einfach, um sexuell zu funktionieren. Fehlt das eine Vitamin oder der andere Nährstoff, fehlt auch die Basis, damit Mann und Frau sexuell aktiv sein können und wollen. So braucht der Körper ausreichend Vitamin E (z. B. Pflanzenöle, Nüsse, Mandeln, Vollkorngetreide), Vitamin C (Früchte, Gemüse, Beeren), Kalzium (Milchprodukte) und Magnesium (Vollkorn, Soja, Kartoffel, Spinat), um die körpereigenen Sexualhormone zu produzieren. Männer sollten zudem darauf achten, ausreichend Zink (Fisch, Meeresfrüchte), Selen (Fleisch, Fisch, Getreide) und Vitamin A (rotes und grünes Gemüse) zu sich zu nehmen. Diese sind nämlich dafür zuständig, dass Spermien gebildet werden und bewegungsfreudig bleiben.

Köstliche Scharfmacher

Es gibt eine Vielzahl an Speisen, Kräutern, Gewürzen und Essenzen, denen aphrodisierende Wirkung zugeschrieben wird. Freilich, streng wissenschaftliche Nachweise ob der konkreten Wirkung auf die Libido fehlen, dass bestimmte Speisen jedoch den Kreislauf stimulieren, eine positive Wirkung auf Gefühle, Stimmung und Wohlbefinden haben, ist belegt. Gewürzt mit einer Prise guten Glauben heizen diese Speisen auf jeden Fall gehörig ein. Ob Placebo-Effekt oder real – wen kümmert’s. Hauptsache, es klappt!

Foto: photocrew – fotolia.com

Aufregendes aus Meer und See

Viel Aufregendes haben die Gewässer zu bieten. Der Klassiker unter den Aphrodisiaka ist die Auster. Nicht nur die geheimnisvolle Form der Muschel und das sinnliche Erlebnis des Schlürfens regen die Lust an. Vor allem ihr hoher Zinkgehalt steigert Potenz wie Libido. Schon Casanova, der wohl bekannteste Verführer aller Zeiten, hat angeblich auf die Kraft der Auster geschworen. Aber es muss nicht immer Auster sein. Meeresfrüchte, Kaviar und (fetthaltige) Fische tun ebenso ihre Wirkung. Wer nun kein Freund des Fisches ist, kann sich auch an den Früchten der Erde laben. Spargel zum Beispiel enthält jede Menge der für den Sexualtrieb wichtigen Mineralstoffe Zink, Folsäure und Aminosäuren sowie Aspargin, das entwässert und die Durchblutung der Unterleibsorgane anregt. Auch Sellerie liefert mit zahlreichen Vitaminen und Mineralstoffen alles, was Mann und Frau brauchen, um sexuell aktiv zu sein. Ein spezieller Stoff im Sellerie ist Butylphtalid: Dieser entspannt und wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Ebenfalls im Sellerie enthalten sind Pheromone, also hormonähnliche Substanzen, die den Sexuallockstoffen im menschlichen Schweiß ähneln und eine starke Anziehungskraft aufs andere Geschlecht ausüben. Ganz ähnlich das Geheimnis, das die Trüffel umgibt. Andastrenol nennt sich dieses Pheromon, auf das Menschen (und auch die Trüffelschweine) reagieren.

Süße Früchte der Lust

Auch dem Granatapfel wird aufgrund seiner reichhaltigen Mineralstoffe und Vitamine eine aphrodisierende Wirkung zugeschrieben. Und tatsächlich bringt das Alkaloid Piperin, das in der mit Mythen umrankten Frucht enthalten ist, eine anregende Wirkung mit sich. Auch süße, weiche Datteln und knackige Weintrauben genießen den Ruf, der Libido durchaus zuträglich zu sein. Süßes für die Sinne und ein Geschmackserlebnis, das Lust auf mehr macht, verspricht auch Kakao. Dieser enthält den Gute-Laune-Stoff Phenylethylamin, den das Gehirn produziert, wenn man verliebt ist.

Was scharf ist, macht auch scharf

Was wären das Leben, die Liebe, der Sex und das Essen ohne Würze? Was unsere Speisen scharf macht, verfehlt seine Wirkung auch bei uns nicht. Auf Scharfes reagiert unser Körper erst mit Schmerz und dann mit der Ausschüttung von Endorphinen, den körpereigenen Glücksopiaten. Pfeffer, Chili, Ingwer oder Safran verführen mit ihrem hohen Gehalt an ätherischen Ölen (nur, wenn frisch gerieben!) und Alkaloiden (Piperin und Capsaicin), fördern die Durchblutung und reizen selbst die Schleimhäute der Genitalien. Ingwer soll dabei eine höchst gegensätzliche Wirkung haben. So fördert er bei Männern anscheinend die Zärtlichkeit und provoziert bei Frauen sexuelle Aggressivität. Auch frisch geschnittene Petersilie, Basilikum und Bohnenkraut enthalten ätherische Öle, die nicht nur dem Essen Geschmack verleihen. Die Muskatnuss dagegen enthält ein natürliches Halluzinogen mit stark stimmungssteigernder und stimulierender Wirkung. Muskat regt an, berauscht und weckt die Liebesreize. Aber Achtung: Schon ab vier Gramm ruft es Halluzinationen hervor, bei übermäßigem Verzehr wirkt es tödlich!

Weniger ist mehr

Bei den meisten Aphrodisiaka ist dieser Spruch zutreffend. Die feine Würze, die unterbewusste Reizwahrnehmung ist es, die uns in Stimmung bringt. Erst recht gilt dies für Alkohol. Wein, Sekt, Champagner und Co verfügen auf jeden Fall über eine anregende und vor allem enthemmende Wirkung; aber schon ab 0,5 Promille Blutalkohol kann sich die Erregung genau ins Gegenteil verkehren!

 Foto: amberto4ka – iStock.com

Der ultimative Liebestrunk

Rezept für 1 große Tasse:

Lassen Sie 2 Rippen Zartbitterschokolade in ¼ Liter Milch über einem Wasserbad schmelzen. Dabei ständig vorsichtig umrühren, damit sich Schokolade und Milch gut vermischen. Geben Sie dann je eine Messerspitze Kardamom, Nelkenpulver und Zimt dazu. Verfeinern Sie den Liebestrunk und Gute-Laune-Genuss noch mit etwas frischer Vanille sowie ein wenig Tonkabohnen-Abrieb.

Alle Beiträge aus Kulinarik & Genuss


Facebook Icon