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Die Völlerei – eine kulinarische Entdeckung

In Saalfelden haben zwei junge, kreative Männer, ein Koch und ein Barmann, ein neues Restaurant im Wirtshausstil eröffnet. Die Mischung ist mehr als gelungen, sowohl hinsichtlich Architektur, Stil und Atmosphäre als auch hinsichtlich der gebotenen Speisen und Getränke.
Ein Artikel von Réne Herndl

Saalfelden war in der Vergangenheit schon einmal eine Pilgerstätte für Gourmets, als es nämlich das „Schatzbichl“ noch gab. Was nicht bedeutet, dass diese Gegend um Saalfelden kulinarisches Niemandsland gewesen wäre, als das legendäre Wirtshaus zusperrte, aber es fehlte einfach das Besondere, das Außergewöhnliche. Jetzt gibt´s wieder eine neue Anlaufstelle für Feinschmecker und Feintrinker: die Völlerei. Wobei der Name fast schon Programm ist. Aber dazu später. Das neue Lokal mit einem modernen, neu gebauten Wintergarten beweist bei der Renovierung des alten Teiles aus 1492 viel Fingerspitzengefühl, wie sich alte Sandsteingewölbe und kontrastierende Kreativität bei den Details und der Dekoration wunderbar zu einer speziellen Gemütlichkeit zusammenfinden. Auch in der ebenfalls neuen und fast gewagt gestalteten Bar neben dem Restaurant-Wirtshaus. Hier spürt man, wie der Charme alten Gemäuers und die Kunst moderner Architektur zu adäquater Gemeinsamkeit führen. Alte Wirtshausatmosphäre neu interpretiert, quasi. Das Sitzenbleiben könnte fast zur Passion werden.

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Zwei kreative Chefs
Zu verdanken ist die „Völlerei“ zwei mutigen und kreativen Köpfen, die trotz ihrer Jugend viel internationale Erfahrung mit lokalem Kolorit verbunden haben. Lukas Ziesel – Luggi genannt – hat sich bei Witzigmann, Döllerer, Reitbauer und Co seine Sporen verdient, war in Shanghai Koch des Jahres und ist jetzt zu seinen Saalfeldener Wurzeln zurückgekehrt, und das fulminant. Sein Partner, Harald Salzmann, ist der kreative Geist der Bar, nicht nur, weil hier alkoholische Geister jedweder Provenienz angeboten werden. Die Bar ist schon nach kürzester Zeit zum Hotspot der Cocktail-Szene geworden, von dem man sogar schon in Wien spricht. Gelernt hat Salzmann in den renommiertesten Bars von Spanien bis nach Shanghai – er hat das berühmte „Nest“ in China zur „Bar des Jahres“ gemacht. Und die Barkarte in der Völlerei bietet wirklich für jeden Geschmack und jede Gelegenheit ungewöhnliche Cocktails, die ihresgleichen suchen. Und ungemein gut schmecken, natürlich.

_MG_7140Völlerei im engeren Sinn
Der Name des Lokals wird aber erst beim Essen zum Programm: Hier kann man so richtig „völlern“! Dementsprechend gibt es auch ein Völlerei-Menü, das fast dazu verleitet, mehr zu essen, als man eigentlich wollte. Der Grund liegt darin, dass, wie es früher auf vielen Familien-Tischen üblich war, die verschiedenen Gerichte und Beilagen allesamt auf den Tisch gestellt werden und man einfach zugreifen kann – so oft man möchte und so viel man will.  Oder, wie es der Küchenchef sagt: „Bei uns heißt es nicht, ‚eat all you can’, sondern, ‚eat all you want’“. Und, es steht allerhand auf dem Tisch, je nach Saison. Und alles frisch gekocht, selbstverständlich. Das Beuscherl ist köstlich mild und würzig, die „Alpensprotten“, kleine Saiblinge herausgebacken und mit Knoblauchmayonnaise, rosa gebratenes Spanferkel, fein mariniert mit Räucheraal – und da sind wir erst bei den Vorspeisen. Dass es in diesem Wirtshaus auch das typisch österreichische Wienerschnitzel und ein richtiges Gulasch gibt, gehört zu den guten Wirtshaustraditionen, die hier als kulinarische Nebenschauplätze zu bezeichnen sind. Das Hauptgewicht liegt darin, und das betont Luggi besonders, dass sich das Speisenangebot am regionalen und saisonalen Grundnahrungsmittelangebot orientiert – etwa Wild (im Falle unseres Besuchs war es ein geschmorter Hirschbraten) oder Lamm, das Grünzeug kommt aus den Gärten des Nationalparks und der Fisch natürlich auch.

_MG_7134Geschmackserlebnis Natur
Und der Geschmack? Herzhaft ist wohl der treffend beschreibende Begriff, der sich in jedem Gericht findet. Da ist nichts übertrieben gekünstelt, eher bodenständig mit kleinen Verfeinerungen, die die Region bietet. Dass manche Gerichte – siehe Alpensprotten – durchaus provokant sind, liegt sicher mehr an der kreativen Auslegung der Zubereitung als am wunderbar frischen Produkt aus der nächsten Umgebung. Und diese unprätentiöse Kreativität macht die Völlerei zum kulinarischen Erlebnis, das sich immer wieder neu erfindet, aber nie den Boden der Region verlässt. Ähnliches gilt übrigens auch für die Zugaben der Cocktails. Die Fruchtanteile, die Kräuter kommen soweit möglich aus eigener Produktion, auch wenn der Wodka und der Rum schon in Flaschen angeliefert werden. Und die verschiedenen Geschmackskombinationen verführen dazu, sich auch an mehreren zu delektieren. Eine Entdeckungsreise, bei der sich jeder wohlfühlt!
Alles in allem ist die Völlerei in Saalfelden zwar ein Wirtshaus, in dem man sowohl zu zweit herrlich speisen kann, als auch in großer Runde feiern und völlern, wo die Wirtshausatmosphäre bestens mit der eines modernen Restaurants und einer Bar harmoniert. Eine mehr als gelungene Mischung, zu der man den beiden mutigen Chefs nur gratulieren kann.

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