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Dö heilig Nocht!

Eine überlieferte Geschichte aufgeschrieben von Gretl Widauer.

As is do, wann mas recht betrocht, a schöne Sach um d´Heilig Nacht.
Draußt pfeift da Wind, als dick fällt da Schnee, wias halt da Winta treibt, ma woass ja eh. Schauts enk aba a bissl um, drinn in da warmen Stubn, da wird’s glei ondascht sein:
Dö Kinda hupfn und springan und lärman und singan und hellrot vor Freud dö Wangal glosn, wia in an Gartn vor lauter Rosn. Kunnts denn a no ondas sein, kimmt s´Christkindl nit und legt ins eppas ein?
A Kind bin i a ameu gwen, is freili schon a schöne Zeit her, aba as steht nix auf üba a rechte Kinderfreud und wann Weihnachtn kimbt, werd i gschwind auf a netlla Stund a kernfrisch Kind.
Oa Heilig Nacht, wann i stoanolt werd, oane vagiß i mein Lebtag nia. Dös is gwen a rare Heilige Nacht, s´Christkindl hat uns was gnumma anstatt bracht. Schauts, losts ma a bissal zua, bis zu da Mettn hom ma no Zeit gua.
Da Vota is mitn Braun ad Stadt aussi gfahrn, so is ers gwönt gwehn seit vielen Jahrn. Und wia er fort is, hom ma graunzt und bitt: „Geh Vota, bring ins a wenk was mit?!“ Da Vota hat gschmutz und ins hat zimmt, dass er gwiß va da Stadt nit lara hoamkimmt.
Auf d´Nacht hom ma Rosnkranz bet´t, i ho mi dazua a wengk gnet´t, denn mia Kinda homb gar so hart auf insan liabn Votan gwoadt. Hiatz fong da Hund draußt s´belln on, mia glei all za da Tür und i voron; i hätt mas zwettn traut ganz gwiß, dass sinst neamb wia insa liaba Vota is. Und er is´s gwen, o mei dö Freid, mia sand gschprunga wia nid gscheit. Er geht in d´Stubn, da Huat und da Pölz schneeweiß und da Bart und d´Haar voi lauta Eis. „Du, Vota“, sagt d´Muatta, „heit kimmbst hübsch spat. Du hast ja doch koa Unglück ghabt?“ Da höbt da Vota on zan redn, „Ja Weib, heit bin i hübsch long wo gwe´n und hearschts ameu Kinda, dös is koa Gspoaß, heit ho i nix.“ Mia wirscht kalt und hoaß.
„Geh Vota, du tuast ins netta glei zi´n.“ Mei Brüdal hebt schon schier on zan flen´n. „Seits narrisch“, sagt da Vota, „was konn denn i dafür, wanns Christkindl selba kimmt und mia enka Sach wegnimmt?“ „S´Christkindl?“ Mia schau´n ins großmächtig on. „Ja“, sagt da Vota, „dös is damit auf und davon und damit´s ös glabts gonz gwiß, will i enk vazähln wia dö Gschicht gonga is.
Ös wißts, wia ma aussi kimmbt in Weud, wo oan da Wind onblast grimmig kolt, da steht in da Mittn vor an kloan Gartal an Petan sei´n Hüttn. San er und sie gar rechtschaffane Leit, ma hört bei ean s´gonz Jahr koan Streit. Sö schidtn und plagn si halb z´Tod und gwinngan für d´Kinda kam s´tägliche Brot. I fahr grad ba sein Häusl für, da steht da Peta vor seina Tür, aba gonz trauig und niedagschlogn. ‚Wart’, denk i ma, ‚den muas i fragen.’ „Guadn Abnd, Peta, wia geht’s da denn?“ Anstatt zan redn, hebt er an zan flen´n. „Mein Herr“, sagt er zletzt, „mit mia is aus. Koan Bissn Brot im gonzn Haus, dazua mei Weib, dös krank zan Sterbn, miassn i und dö Kinda vaderb´m. Dös is a traurige Heilig Nacht, da Geistlich hat erst unsan Herrgott bracht, wann hiaz s´Christkindl a no kimmt und an Kindan ea Muatta weg nimmt. Was fang i aft mit´n Schüberl on, mit mia is aus. I bin a gschlagner Mo.“ „He“, sag i, „Peta, was fallt dir denn ein? Ma muaß nit so vazogt glei sein, a christlicha Mon bist allweil no gwest, da Herrgott hilft, dös glab na fest und hats zerst ausgschaut no so schlecht, auf d´Letzt wird’s allweil wieda recht.“ I muas decht a wengal einischaun, drauf steig i ab und häng mei Ross an Zaun. Was siach i drinn? Du liaba Gott, nix als Elend und bittre Not. Dö Kinda ohne Gwandt, im Bett s´kranke Weib. Mir hat´s schier s´Herz umdraht im Leib. I schau´s mit nasse Augn on, weil i den Leutn gar nit helfn konn.
Da gibt ma s´Christkindl an Gedanken ein. I glaub, as kunnt nit ondas sein. I hon ja an Schlittn allerhand, neue Schuah und a warms Wintagwondt und dös hätt i bald vagessen, dö bestn Sachn a zan Essn. ‚Und wann mi meine Kinda fragen’, hon i ma denkt, ‚sog i, i hon ois an Christkindl gschenkt. Denn wias scho dahoam homb glernt und wias a da Schul drinn hörn, so sagt Christus: ‚Was ös deats den Kloanan, das siech i on, as waa´s für mi selba ton.’’
So werds damit a woi zfriedn sein – no, und is´s nied, so kaf i heud was Andres ein. Wanns abea gsegn hätts Kinda, dö Freud und dös Dank ghört va dö guatn Leut, ös valongat gwiß nix weita mehr und sagerts: ‚Gsengn enk Gott, da Herr!’ Schauts a so is´s und drum hon i nix bracht. Es is woi so de erste Heilig Nacht.“
Da Vota is stad gwe´n, d´Augn sand ins übagonga alln. Um an Hals san ma eahm oft alle gfalln und ghalst und druckt hom man leicht a Viertelstund und dankt für dö Gab aus Herzensgrund. Und gschlafn hom ma dö Nacht so guat, s´muass do s´Wohltoan sein, was oan gar a so woihl tuat.
Und dö Heilig Nacht wann i amal stoanalt werd, dö vagiss i mein Lebtag nia.

Foto: Privat

Foto: Privat

Margarethe „Gretl“ Widauer (geb. 1921, gest. 2005) hat ihr ganzes Leben lang alte Geschichten, Legenden und Rezepte aus dem Pinzgau gesammelt. Ihr war es wichtig, dass die regionale Sprache nicht in Vergessenheit gerät und so hat sie bis zuletzt all ihr Wissen aufgeschrieben.
Sie ist 1921 als sechstes Kind der Almer Mesnerfamilie auf die Welt gekommen und konnte vorerst nur in die dortige Volksschule gehen. Später besuchte sie noch die Haushaltungsschule in St. Johann und ein Kindergartenseminar. Durch die Musikalität der ganzen Familie konnte sie am Mozarteum eine 4-jährige Kontrabassausbildung absolvieren und war die erste und jüngste Kontrabassistin im damaligen Orchester.
Sie war über 30 Jahre glücklich verheiratet und hatte 3 Söhne. 1957 eröffnete sie die „Almhütte“, für die sie weithin bekannt wurde. Außerdem hörte man sie regelmäßig im Radio, sie trat bei Brauchtumsveranstaltungen auf und gab Seminare über die Pinzgauer Sprache.

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