2015-516

Eine Band erfindet sich neu

Als „Sumpfkröten“ begeistern sie Jahr für Jahr auf Feiern, Volksfesten oder im Bierzelt. Daheim im Pinzgau, in Wien, am Oktoberfest. Nun wollen die Mitglieder der Band auch ernster wahrgenommen werden. Unter dem neuen Namen „Johanns Erben“ verfolgt die Gruppe mit eigenem Album ambitionierte Ziele. Die „Sumpfkröten“ bleiben ihren Fans dennoch erhalten.

Seit mehr als 15 Jahren sind die „Sumpfkröten“ eine fixe Größe in der heimischen Musikszene. 100 bis 150 Auftritte im Jahr absolvieren die sechs hauptberuflichen Musiker. Ob bei diversen Veranstaltungen, in Kufflers Weinzelt am Oktoberfest oder auf der Wiener Wiesn: Die „Sumpfkröten“ verkörpern gute Stimmung und Unterhaltung. Ihre Vielseitigkeit hat sie über den Pinzgau hinaus bekannt gemacht. Nun strebt die Band einen musikalischen Tapetenwechsel an.

„Wir haben als Coverband sehr viel erreicht. Dafür sind wir auch dankbar. Aber wir haben manchmal das Gefühl, dass man uns als ,Sumpfkröten‘ nicht wirklich ernst nimmt. Wir werden oft nur als Spaßtruppe wahrgenommen, obwohl wir ernsthafte Musik machen“, sagt Schlagzeuger Markus Schwaiger. Arnold Kendlbacher, Sänger und Gitarrist, ergänzt: „Für manchen Radiosender war der Name das Hindernis, uns zu spielen.“ Damit soll jetzt Schluss sein. Nach zwei Jahren der Ideenfindung tritt die Gruppe zwar weiter unter dem altbekannten Namen als Coverband auf. Künftig wollen sie jedoch auch als „Johanns Erben“ ihre Fans mit eigenen Liedern für sich gewinnen.

Der Ursprung des Namens für das Projekt leitet sich aus den Familiengeschichten ab. „Wir sind irgendwann drauf gekommen, dass jeder entweder einen Vater, (Ur-)Großvater oder Onkel hat, der Johann heißt und einen Bezug zur Musik hat“, erklärt Kendlbacher die Namensgebung. Mitte Juni soll das erste Album „Erbgut“ erscheinen. Zwölf aufwendig produzierte Lieder füllen die Platte.

„Unsere Ausrichtung ist klar: Pop/Rock-Musik in deutscher Sprache. Wir wollen den österreichischen Slang reinbringen. Man darf schon merken, woher wir sind, das kommt gut an“, so Kendlbacher. Das Ausfeilen der Sprache, die in Norddeutschland ebenso verständlich sein müsse wie in der Schweiz, sei die größte Schwierigkeit im Entwicklungsprozess gewesen. „Ich habe drei Monate dafür gebraucht. Bei Konzerten haben wir immer wieder Verschiedenes ausprobiert und nachgebessert, bis letztlich eine Art Kunstsprache daraus geworden ist. Jetzt passt‘s.“ Verstärkt werden „Johanns Erben“ von Produzent Wilbert Patterer. Er ergänzt die Band als Gitarrist.

„Für uns ist das ein kompletter Neuanfang. Es kennt uns kein Mensch unter diesem Namen. Wir müssen uns wieder neu beweisen. Das ist für uns die Herausforderung dabei“, sagt Kendlbacher. „Es kann auch ein voller Flop werden, aber das ist eben das Risiko, das wir eingehen müssen.“ Dennoch gibt sich die Band optimistisch. „Die Leute sind irrsinnig neugierig drauf.“ Bühne für die „Erben“ soll nach den eigenen Vorstellungen nicht mehr die feucht-fröhliche Bierzelt-Atmosphäre mit Party-Musik sein, sondern Festivals oder Konzerte. „Unser Traum ist schon, dass wir irgendwann nur noch unsere eigene Musik spielen.“

Unabhängig vom Erfolg des Projekts bleiben die „Sumpfkröten“ mit ihrem Repertoire von gut 120 Cover-Versionen ihren Verehren jedenfalls erhalten. Die „Erben“ sind unterdessen mit ihren eigenen Stücken höchstwahrscheinlich schon bald im Radio zu hören – die Songs auf dem Album machen Lust auf mehr. Und am Namen wird es nun garantiert nicht mehr scheitern.

Thomas Sendlhofer

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