IMG_6320

„Flüchtlinge brauchen unsere Hilfe“

Als politisch stabiles, wohlhabendes Land trägt Österreich humanitäre Verantwortung gegenüber Menschen aus Krisengebieten. Wie deren Integration funktionieren kann, zeigen zwei Beispiele.

Manhal und seine Frau Najjar sind mit ihren vier Kindern Syrien entkommen. In ihrer Heimatstadt Qamischli, die an der Grenze zur Türkei liegt, ist der Krieg allgegenwärtig. Um nach Österreich zu gelangen, mussten sie ihren gesamten Besitz – bis auf wenige Habseligkeiten, wie die kurdische Flagge in ihrem Wohnzimmer, die sie an ihre Heimat erinnert – und viele ihrer Angehörigen zurücklassen. Seit einigen Wochen lebt die sechsköpfige Familie nun in Stuhlfelden.

Aufgenommen haben die Flüchtlinge Christoph und Andrea Huber. Für die beiden sind es nicht die ersten Asylanten, die sie in der Wohnung in ihrem Haus einquartiert haben. „Denen gehört geholfen, sie müssen alles hinten lassen, wissen oft Monate lang nicht, wie es ihren Freunden und Verwandten geht und ob die überhaupt noch am Leben sind“, sagt Andrea Huber. „Für mich ist das ganz einfach Menschlichkeit. Wenn ich mich in ihre Situation hinein versetze und mir niemand helfen würde – ich wäre verloren.“ Gerade am Anfang seien aber viele Hindernisse zu überwinden. Die größte Barriere ist freilich die Sprache. Deswegen sei man auch auf die Kommunikation mit Händen und Füßen angewiesen, erzählt die 44-Jährige. Das Stuhlfeldener Ehepaar nimmt sich der Familie an, organisiert Arztbesuche, bringt die beiden Söhne zur Schule oder nimmt sie zum Fußballspielen mit. So werden auch die Deutschkenntnisse immer besser.

„Das Wichtigste ist, dass sich der Vermieter um die Menschen kümmert, denn sie erhalten hier ihre Erstprägung in Österreich. So wie man sie von Anfang an behandelt, werden sie sich später auch als Staatsbürger verhalten. Ich denke da nicht nur sozial, sondern auch volkswirtschaftlich“, sagt Christine Enzinger. Die 52-Jährige beherbergt in ihren beiden Quartieren in Saalfelden rund 50 Menschen aus zehn Nationen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten engagiert sie sich für Asylwerber – seit gut zehn Jahren hauptberuflich als selbstständige Gastwirtin. Sie fordert mehr Verantwortungsbewusstsein vonseiten der Gemeinden ein. „Jeder Ort sollte seinen Teil dazu beitragen und eine Flüchtlingsfamilie aufnehmen. Das sollte dazu gehören – genauso wie man einen Kindergarten oder eine Volksschule hat.“ Platz wäre jedenfalls reichlich vorhanden, da viele Gebäude nicht bewohnt werden, meint Enzinger. „Wir haben hier eine soziale Verantwortung, dass leer stehende Wohnungen und Häuser an Flüchtlinge vermietet werden.“

Alle Beiträge aus Aktuelles


Facebook Icon