Juwel im Alpenraum

Juwel im Alpenraum

Das Bergbau- und Gotikmuseum in Leogang ist international renommiert und genießt unter Kunsthistorikern den Ruf, eines der besten seiner Art zu sein. Jetzt kann es durch den Ankauf des sogenannten „Thurnhauses“ auch der umfangreichen Kuno Erich Mayer Sammlung Platz bieten und wird so endgültig zu einem der bedeutendsten Museen für gotische Kunst in Europa.
 Ein Artikel von René Herndl

Fotos: Bergbau- und Gotikmuseum Leogang

Die Intention der Gründung des Museums lag, so Kustos und Gründer Hermann Mayrhofer, im Bestreben, mittelalterliche Kunstgegenstände und Relikte des Pinzgauer Bergbaus in Salzburg und für Salzburg zu sammeln und zu bewahren. Kaum ein Ort konnte besser geeignet sein als der alte Bergbauort Leogang, der wegen des Bergbaus eine eigene, sehr spezifische Identität hatte, die es neu zu definieren galt. Der Zweck, auch Salzburger Wirtschafts- und Kultur-Geschichte zu vermitteln und als Orientierungshilfe darzustellen, ist bis heute die Triebfeder des unermüdlichen Idealisten, weit über die Grenzen Salzburgs und Österreichs hinaus nach Kunstgegenständen Salzburger Provenienz zu suchen und sie gleichsam „heim“ zu holen. So entstanden etwa auch Verbindungen und Beziehungen bis in den berühmten Louvre und nach Frankreich, von wo auch Napoleonische Kriegsbeute wieder in den Pinzgau zurückkehrte.

Blühender Bergbau – blühende Kunst

„Blühender Bergbau bedeutete blühende Kunst“, formuliert es Mayrhofer, der den wirtschaftlichen Erfolg des Bergbaus jener Zeit in unmittelbaren Zusammenhang zur Entstehung künstlerischer Werke bringt. Um diese Kunstwerke zu präsentieren, schien das Ensemble des alten Bergbaudorfs im Leoganger Ortsteil Hütten, wo das Museum heute seinen Standort hat, ideal geeignet. Das nun erworbene alte Thurnhaus, ein mittelalterlicher Wohn- und Wehrturm, ist die Grundlage für die Einrichtung einer auch nach internationalen Maßstäben angemessenen Begegnungsstätte mit mittelalterlicher, speziell gotischer Kunst und Kultur. Neben der Möglichkeit einer Entwicklung zum „gotischen Zentrum in Mitteleuropa“ hat der Erwerb des Thurnhauses auch den Effekt, dass dieses über 400 Jahre alte Haus das gesamte Hütten-Ensemble gerettet hat. So wird ein Museums-Dorf entstehen, eine mittelalterlich geprägte Bausubstanz, die unterirdisch verbunden mit allen Finessen eines modernen Museums beeindrucken kann. So schafft das Projekt der Erweiterung des bestehenden Museums um das Thurnhaus eine Aufwertung eines historischen Ortsgefüges mit nachhaltigen Synergien für die heute touristisch geprägte Wirtschaft, die Umwelt und die Gesellschaft.

Sammlungen und Schenkungen

Das Fundament der Museums-Sammlung kam natürlich aus dem Bergbau, nämlich aus der für die Bergknappen errichteten Kapelle – das Altarbild der „Heiligen des Bergbaus“. Hermann Mayrhofer sammelte nach und nach Exponate aus privatem Besitz, teils als Leihgaben, mitunter sogar aus Übersee, wohin ausgewanderte Salzburger Kulturgüter und Kunstgegen-stände mitgenommen hatten. Etliche Kunstwerke konnten auch erworben werden, der Großteil aber kommt bis heute aus privaten Spenden und Schenkungen. Erst kürzlich übergab Elisabeth Leopold, Gründerin und Vorstand des Leopold Museums in Wien, dem Leoganger Museum etliche exquisite Kunstwerke der Gotik als Dauerleihgaben, zuvor hatte ein Sammler seine als größte private Gotik-Sammlung bekannte Kollektion dem Museum gestiftet. Und nun ermöglicht das Thurnhaus nach seiner Renovierung auch die Präsentation einer neuen Sammlung, zunächst als Dauerleihgabe, nach dem Tod der Eigentümer als Schenkung. Ein weiterer Schritt zum „gotischen Zentrum“!

Weltexponate und ausgesuchte Qualität

Eines der wahrscheinlich herausragendsten Ausstellungsstücke des Museums ist auch eines der kleinsten und wertvollsten: Die „Gebetsnuss“ der Kaiserin Maria von Burgund, der Ehefrau von Kaiser Maximilian von Österreich – ein Exponat, um das sich weltbekannte und große Museen reißen würden. Dieser Miniatur-Reisealtar ist so fein ziseliert, so exzellent gearbeitet, dass die Details nur mit einem Vergrößerungsglas zu erkennen sind. Und dieses „Weltexponat“ steht sinnbildlich für die Arbeit von Hermann Mayrhofer: Qualität steht für den Ruf des Museums und seiner Arbeit.

Die gotische Kunst, die Skulpturen und Möbelstücke, das Kunsthandwerk und die religiösen Gemälde, sie alle beeindrucken durch ihre Ausstrahlung und einfache Schönheit, wie sie nur selten zu bewundern sind. Das sollte man einmal gesehen haben!

Fazit und Aufruf

Für eine entsprechende Präsentation aber bedarf es einer adäquaten Umgebung und Einrichtung, einer fachlich hochqualifizierten Erhaltungsarbeit und der Organisation von thematisch unterschiedlichen Ausstellungen, die oftmals die finanziellen Möglichkeiten eines so kleinen aber bedeutenden Museums überschreiten. Der Ankauf des Thurnhauses gibt sowohl der neuen Sammlung als auch den zusätzlichen Leihgaben der Sammlung Leopold mehr Raum, der jedoch erst fertig restauriert und adaptiert werden muss. Deshalb ist das Museum neben den Zuwendungen der Gemeinde und des Landes auch auf private Spenden angewiesen, die gemäß § 4a Zi. 2b EstG 1988 sogar steuerlich absetzbar sind. Und damit leistet jeder Spender einen Beitrag zur Erhaltung und Bewahrung eines Kunstschatzes, der als Sammlung in seiner historischen Um-gebung ein Juwel im Alpenraum ist.

Alle Beiträge aus Gesellschaft & Kultur


Facebook Icon