Pinzgauer ERFRISCHUNG fürs Musikbusiness

Herzlich und natürlich, quirlig und keck, eine echte Pinzgauer Möz eben! Sängerin Julia Buchner (24) peppt den Schlager auf, ist auf Du mit ihren Fans und auch im Interview sprudelt es nur so aus ihr heraus. „Ich habe nichts zu verheimlichen!“, erzählt sie munter über Dance Schlager, Inkognito-Dasein im Kindergarten, die Baumbar und warum Stargehabe keiner braucht.
 Ein Artikel von Andrea Kocher

Julia, du bist Sängerin mit Wurzeln im klassischen Schlager. Wo bist du derzeit auf deiner musikalischen Reise und wohin soll diese in nächster Zeit führen?

Das stimmt, ich bin mit volkstümlicher Musik und echtem Schlager aufgewachsen. Auf unserer Jausenstation Burgeck in Niedernsill, auf Hochzeiten und anderen Feiern habe ich gemeinsam mit meiner Schwester viel gesungen. Die Seer, Andreas Gabalier und Nik P. – Lieder von solchen Künstlern wurden vom Publikum gewünscht. So kam ich auf den Weg, den ich vorher auf diese Weise nicht definieren hätte können.

Himmel, Herzchen, heile Welt: Der Schlager ist ja schon mit vielen Klischees behaftet. Wird man auf Dauer nicht müde, diese Klischees zu bedienen?

Der Schlager ist mittendrin in einem Wandel hin zum Modernen. Viele Künstler haben dafür gesorgt, indem sie aus diesen Klischees ausbrechen. Popschlager und Dance Schlager, rockige Töne: Die Musikstile vermischen sich. Ich habe vielleicht den Vorteil, dass ich genau in diesen Wandel hineingefallen bin.

Du bist also nicht ausschließlich „Schlagersternchen“?

Ich bin eine österreichische Künstlerin, die Deutsch singt. „Ich hab’ im Himmel ein Wunder bestellt“ ist ein typischer Schlagertitel, mein aktueller Song „Höhenflug“ ist es nicht unbedingt. Ich hatte schon befürchtet, dass er für mein Publikum zu modern sein könnte. Aber ich bekomme gutes Feedback. Das Publikum selbst schubladisiert auch nicht mehr so. Meine neue Single, die im November erscheint, wird auch ein moderner, flotter Titel sein. Dass der Schlager moderner geworden ist, das spürt man auch am Publikum.

Fotos: KWER

Und bei dem kommst du an, das ganz ohne Künstlernamen und bei Verzicht auf urig-witzige, kitschige, ländliche Accessoires oder ausgefallene Kostüme?

Das ist alles super ok, und ich mag die Tracht gleich wie edle Abendgarderobe, aber es passt halt nicht in die Richtung, in die ich gehen will. Man soll sich immer so authentisch wie möglich präsentieren. In Glitzerkleid und High Heels auf der Bühne, das wäre nicht ich. Schlager ist jung und das heißt, dass du auch Boyfriend Hose, ein lässiges Shirt und coole Schuhe tragen kannst. Alles, was du ehrlich meinst und machst, kommt bei den Leuten an.

Dein Style ist ausgesucht und vornehmlich leger. Wo kaufst du ein?

Ich stehe auf ausgefallene italienische Mode, ich bin ja klein und nicht so dick, die Sachen passen mir gut. Sehr gerne shoppe ich im Fancy’s, einer kleinen Boutique in Zell am See. Cool finde ich auch Rinascimento in Kitzbühel und Saalfelden, jede Filiale hat andere Stücke und immer was Neues.

Das Glitzerkleid bleibt somit, wenn, dann eher was für den Fasching im Kindergarten. Du arbeitest ja nach wie vor in deinem gelernten Beruf als Kindergarten-pädagogin in einem Salzburger Kindergarten?

Ja, das ist mein Brotberuf. Ich liebe Kinder! Im Kindergarten ist „Handyverbot“. Wenn am Nachmittag dann zig verpasste Anrufe am Display sind, muss dir das halt egal sein. Die drei Tage im Kindergarten sind wie besserer Urlaub für mich: Hier komm’ ich runter, du brauchst nicht gestylt und geschminkt zu sein und niemand kennt dich.

Wie, niemand kennt dich? Und kein „Boom-Boom“ mit den Kindern im Morgenkreis?

(lacht) Nein, um Himmels willen! Ich bin Pädagogin und halte es von Anfang an so, dass ich Kindergarten und Musik strikt trenne. Das hat bislang auch bestens funktioniert. Meine Chefin und meine Kolleginnen wissen natürlich von Anfang an, dass ich auch Sängerin bin. Und weil ich im Kindergarten ganz einfach „die Julia aus dem Pinzgau“ bin, hat es auch gedauert, bis es sich herumgesprochen hat.

Hat dich also jemand „geoutet“?

Ja, sozusagen, ich wurde bei einem Fernsehauftritt „erkannt“. Da war es dann halt raus. Mittlerweile ist es so, dass die Kinder mich darauf ansprechen, wenn sie mich in der Zeitung oder im Fernsehen gesehen haben. Ich halte alles trotzdem weiterhin auf Abstand. Aber wenn mir die Kinder Fragen stellen, dann antworte ich natürlich schon!

Die Julia aus dem Pinzgau, sagst du. Bist du eine waschechte Möz?

Natürlich! Ich bin gerne daheim und pendle deshalb auch zur Arbeit in die Stadt. Für die Musik bin ich ohnehin andauernd unterwegs. Daheim ist alles normal und ich kann in der Jogginghose zum Spar einkaufen gehen. Der Pinzgau ist mein Ruhepol, hier ist meine Familie, ich werde hier nicht anders behandelt als früher. Bei uns ist alles recht bodenständig. Hier habe ich gelernt, immer alles zu geben und über gewisse Dinge drüberzustehen. Eltern sind doch das ehrlichste, oder?

Alles geben, das betrifft längst nicht allein mehr den Bühnenauftritt. Wie handelst du das ganze nötige Rundherum?

Es stimmt, Sängerin zu sein bedeutet nicht nur singen, auch alles andere im Hintergrund musst du gern machen. Liedauswahl und Aufnahmen, Fotoshootings und Interviews, Organisation und Social Media Marketing. Du musst extreme Eigendisziplin haben, das war ein Lernprozess für einen Chaoten wie mich. Wenn du vom Musikgeschäft keine Ahnung hast, bist du sehr euphorisch. Glücklicherweise habe ich ein Team im Hintergrund, das mich unterstützt und von Anfang an mit mir zusammenarbeitet. Mein Papa ist immer mit mir unterwegs und glücklicherweise habe ich einen Musikverleger und einen Manager, die an mich glauben und mich unterstützen. Ich habe keine Angst. Im Musikgeschäft kann sich von heute auf morgen alles ändern.

Gerade das letzte Jahr wertest du in puncto Erfolg als ein ganz besonderes?

Ich bin ja Widder im Sternzeichen und da gibt es nur Vollgas! Ja, seit letztem Jahr ist so einiges vorangegangen. Ich möchte Danke sagen an alle meine Leute um mich herum. Mit Erfolg ist es schon so: Man ist zufrieden und will trotzdem mehr, man will bekannter werden. Eine Firma strebt das ja auch an, oder ein Sportler. Man darf halt nie zu verbissen werden.

Das heißt, am Boden und – nach Fernsehauftritten und Konzerthallen – auf kleinen Bühnen bleiben?

Die Wiener Stadthalle war schon super, aber eine „Baumbar“ in Kaprun ist genauso cool! Bühnensteg und Kameras sind toll, aber bei kleineren Veranstaltungen, im Club oder im Festzelt, bin ich meinen Fans näher, alles ist viel persönlicher. Die Leute kommen wegen meiner Musik vor die kleineren Bühnen, und das ist genial. Dass meine Musik irgendwann einmal der Grund ist, dass sich auch große Konzerthallen füllen, darauf arbeite ich hin.

Mit zunehmendem Erfolg als Künstlerin steigt auch das Interesse an dir als Person und an deinem Privatleben. Wie gehst du damit um?

Ehrlich gesagt, bis vor gut einem halben Jahr war es mir gar nicht so bewusst, dass die Leute schauen, was ich tue. Dass sie mich als Sängerin sehen und einen anderen Blickwinkel auf mich haben, war mir nicht bewusst. Sie wissen, was ich tue, das ist für mich eine große Ehre. Ich freue mich über jeden, der sich mit mir unterhält und ich schreibe auch jedem zurück. Meistens schicke ich Sprachnachrichten. Ich habe keine Geheimnisse und rede so, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Stargehabe interessiert sowieso keinen mehr!

Du erzählst also jedem alles?

(lacht) Ich breche wahrscheinlich auch in dieser Hinsicht das Klischee. Ich finde es super, wenn sich jemand für meine Person und meine Musik interessiert. Da gehört auch Privates dazu. Und wenn ich nicht antworten möchte, sage ich halt nichts.

Dass ein Bankerl dein Lieblingsplatz und „Mözn“ das coolste Pinzgauer Wort für dich ist, ist also kein Geheimnis?

(lacht) Oh nein! Von „meinem“ Bankerl in Niedernsill am Berg oben gibt’s die schönste Aussicht auf den Pinzgau hinauf und hinunter. Und „Mözn“ find ich mindestens so cool wie „knochzn“, „Easchtepfe“ und „Wuschtsemei“.

Und die „Baumbar“ in Kaprun „zaht“ dich auch?

Ich finde, dass die Baumbar eine Institution im Pinzgau ist! Hier hauen sich drei Personen so richtig rein, sie bauen die frühere Marke wieder auf. Das finde ich richtig cool! Ich bin gerne in der Baumbar und trete auch gerne hier auf.

Richtig cool, ja, das ist auch deine neue Single!

Weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das erfrischende Gespräch!

Sängerin Julia Buchner wurde 1992 in Mittersill geboren und lebt in Niedernsill. Ihre Musik ist in das Genre Popschlager/Dance Schlager einzuordnen. 2014 nahm die 24-Jährige an der Fernsehshow „Herz von Österreich“ teil, beendete diese als Viertplatzierte und nutzte sie als Türöffner für ihre Karriere.

Ihr Debütalbum „Sternentanz“, darauf u. a. ihre bekanntesten Singles „Boom Boom“ und die Claudia Jung Coverversion „Stumme Signale“, erschien im Juli 2015 und erreichte die Charts. Bereits im selben Jahr stand die Newcomerin bei der ORF Starnacht am Wörthersee auf der Bühne. „Höhenflug“ ist ihre aktuelle Single, im November wird eine neue Single erscheinen.

Neben ihrer Musikkarriere ist Julia Buchner nach wie vor in ihrem Hauptberuf als Kindergartenpädagogin tätig.

Alle Beiträge aus Gesellschaft & Kultur


Facebook Icon