Wie entstehen Traumurlaubsziele?

Haben Sie ein Traumurlaubsziel? Gibt es eine Feriendestination, in die Sie schon immer einmal reisen wollten? Viele haben ein solches Traumurlaubsziel, manche sogar mehrere und viele kommen beim Thema Reisen gar nicht aus dem Träumen heraus. im Ort zu halten.
 Ein Artikel von Stephan Obenaus

Foto: Gletscherbahnen Kaprun AG – Nikolaus Faistauer

Wie entstehen Traumurlaubsziele und Traumdestinationen? Werden diese gezielt entwickelt oder schleichen sie sich ganz von alleine in unsere Köpfe? Ich habe mir darüber Gedanken gemacht und möchte wissen, wie Urlaubs-trends entstehen und wie es Länder, Städte und Regionen in die Köpfe der Menschen schaffen. Mich interessiert, welche Faktoren hier einwirken und welche Destinationen eigentlich die Traumurlaubsziele von uns allen sind.

Eines gleich vorweg, von selbst entsteht gar nichts. Trends, Nachfrage und Massentourismus kommen nicht aus dem Nichts. Hier sind gezielte Maßnahmen am Werk, die touristische Nachfrage steuern. Auch wenn dem Ganzen meinem Empfinden nach eine gewisse Eigendynamik innewohnt, handelt es sich um komplexe Konstrukte aus Trends, Entwicklung, Wohlstand, Demographie und einer ganzen Reihe schlauer Köpfe, die es verstehen, mit den Träumen und Wünschen von uns allen Geschäfte zu machen.

Welche Traumziele suchen wir?

Befragt man einigermaßen kaufkräftige Mitteleuropäer, so zeichnet sich ein recht deutliches Bild ab. In einer Sendung des Schweizer Radiosenders SRF wurde ich fündig. Darin hat man Schweizerinnen und Schweizer zu ihren Traumurlaubszielen befragt, und zwar auf der Besucherterrasse des Zürcher Flughafens. Ein Ort, der an sich schon Fernweh fördert und zum Träumen anregt. Als Antworten wurden Orte genannt wie Kalifornien, Kuba, die Malediven, Madagaskar oder auch naheliegend
Griechenland und Tunesien. Es geht um paradiesische Strände, Sonnenuntergänge, Meer, warmes Klima usw. Liegt doch auf der Hand: Viele Europäer sehnen sich nach Fernreisen, Traumurlauben am Meer, in der Südsee, mit Strand und Sonnenschein.

Andere Traumziele liegen ganz nah

Und zwar vor unseren Augen. Zell am See-Kaprun ist eine unumstrittene Traumdestination von arabischen Urlaubern. Wir kennen das doch alle. Seit Jahren prägen arabische Gäste das Stadt- und Regionsbild von Zell am See-Kaprun. Nicht immer mit nur positiven Nebeneffekten. Wo Kulturen aufeinandertreffen, reiben sich auch Vorlieben, Abläufe und kulturelle Riten aneinander. Doch warum kommen so viele Araber nach Zell am See-Kaprun? Es ist ja nicht nur der Pinzgau. Kitzbühel, Salzburg, Wien, St. Moritz, Zürich und viele weitere europäische Destinationen stehen auf den Listen der Araber.

Sie träumen von gemäßigtem Klima, während ihre Heimat in der Hitze brütet. Sie lieben den Regen, die Feuchtigkeit, die Wälder, die Berge, nicht zuletzt schätzen sie auch die regionalen Bräuche und Events. Zell am See nimmt dabei eine Sonderstellung ein. Der See, die Berge und der Gletscher finden sich in den Urlaubsträumen arabischer Gäste genauso wieder wie Palmen, Strände und Sonnenuntergänge in den unsrigen – paradiesische Zustände eben.

Die Liebe der Chinesen zu Hallstatt ging sogar soweit, dass die Alpenidylle in der subtropischen Provinz Guangdong nachgebaut wurde.

kapturephoto – fotolia.com

Auch Asiaten fliegen auf  Österreich

Und das nicht erst seit Kurzem. Wien, Salzburg, Innsbruck und Hallstatt sind die Dauerbrenner am asiatischen Markt. Allen voran Touristen aus China träumen von Urlaub in Österreich. Dabei scheinen nicht immer Erholung und Entschleunigung auf der Tagesordnung zu stehen. Asiaten erleben schnell. Sie wollen ein Maximum an Erlebnis in so kurzer Zeit wie möglich konsumieren. Kulturelle Highlights, Kunstdenkmäler, klassische Musik – das sind Eckpfeiler asiatischer Urlaube in Österreich – nicht immer mit viel Zeit im Gepäck. Dafür müssen viele meist lange sparen, eine Europareise ist nicht billig, aber sie boomt gewaltig. Die Ankünfte chinesischer Touristen haben sich im Vergleichszeitraum 2006 bis 2013 um 3.500 % erhöht. (Quelle: www.nachrichten.at)

Woher kommt die enorme Anziehungskraft, die Salzburg, Wien und Hallstatt auf Chinesen ausüben? Ist es die Kunst, die Kultur, die Musik oder sogar die Kopie von Hallstatt, die in China errichtet wurde? Es ist wohl eine Kombination. Asiaten lieben Kunst, sie fliegen auf Musik und sie vergöttern Jahrtausende alte Kulturen, Kunstdenkmäler und das Bild idyllischer Alpendörfer mit Geschichte und Tradition. Die Tatsache, dass Hallstatt UNESCO-Kulturerbe ist, fördert die Nachfrage aus Fernost weiters. In Südkorea hat sich noch ein weiterer Trend entwickelt – Hochzeitstourismus.

In der koreanischen Seifenoper “Spring Waltz”, die in Wien und Hallstatt gedreht wurde, küssen sich die beiden Protagonisten erstmals am Ufer des Hallstätter Sees. Der bekannte Ort im Salzkammergut wird in der erfolgreichen Serie perfekt in Szene gesetzt. Viele südkoreanische, frisch verheiratete Paare tun es den Serienstars gleich und reisen in Scharen nach Hallstatt, um vor laufenden Kameras glücklich am Seeufer zu posieren.

Hendrik Schwartz – fotolia.com

Ist das eine Eigendynamik?

Zum Teil vielleicht, jedoch ist „von selbst” noch kein touristischer Trend entstanden. Hinter dem Ansturm der Asiaten und der Araber stecken genauso schlaue Köpfe, wie hinter der Vermarktung der Südsee, von Mallorca, den USA oder einer ganzen Reihe weiterer „traumhafter” Destinationen. Tourismusforscher und Experten sprechen von den so genannten “Aspirational Destinations”. Das sind Orte in unseren Köpfen, die mit starken Bildern hinterlegt sind. Bilder, die sich mit dem Gefühl vermischen, diese Orte unbedingt besuchen zu wollen. Kopf, Bauch und Herz arbeiten zusammen und lassen das Verlangen nach Traumdestinationen entstehen. Der Lonely Planet, ein internationaler Reiseführer für Individualtouristen, der in 14 Sprachen erscheint, hat einst eine Liste mit 100 Orten veröffentlicht, die jeder Mensch im Leben einmal gesehen haben sollte. Ob Hallstatt und Zell am See darin zu finden sind?

Traumdestinationen entstehen in unseren Köpfen, weil jemand großes Interesse daran hat, diese zu vermarkten. Wenn das Angebot passt, sich ein Trend abzeichnet und dann noch clevere Tourismusmanager am Werk sind, dann ist der Weg zu steigender Nachfrage und boomenden Destinationen geebnet. Wir alle haben Träume, Sehnsüchte und Wünsche und sehr oft beziehen sich diese auf Reisen in ferne Länder und zu unbekannten Destinationen. Nach welchen Gesichtspunkten jeder von uns ihre oder seine Traumdestinationen auswählt, bleibt individuell verschieden. Auch wenn “Individualität” nicht immer das Urlaubsmotiv Nr. 1 zu sein scheint.

Mir fällt ein Statement des berühmten Bergsteigers und Tourismusforschers Reinhold Messner ein, bei dem von einer Kontroverse die Rede ist: Während viele Reisende angeben, im Urlaub Individualität, Ruhe und Abgeschiedenheit zu suchen, agieren sie jedoch oft genau umgekehrt. Viele Urlauber folgen touristischen Massenströmen und steuern Destinationen an, wo sich schon jede Menge weiterer Touristen aufhalten. Interessant, oder?

Der Mensch ist ein Herdentier, der Tourist offenbar besonders. Egal ob es sich um Chinesen in Hallstatt, Araber am Zeller See oder Deutsche auf Mallorca handelt, erfolgreiche Tourismusdestinationen machen sich den Herdentrieb der Menschen zunutze. Sie schüren in unseren Köpfen das uns allen bekannte “Will-haben-Gefühl”, kreieren Trends und setzen Massen an Touristen in Bewegung. Deshalb wird es auch immer Traumurlaubsziele geben, egal wo diese liegen und wer von ihnen träumt.

Foto: pomogayev – fotolia.com

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