mayrhofer_beitrag

„Wir brauchen eine Geschichte, eine Identität“

Das mittelalterliche Salzburg ist seine große Leidenschaft: Vor 25 Jahren eröffnete Hermann Mayrhofer das Bergbau- und Gotikmuseum Leogang. Heute dürfen wir ihn – frisch gekürt zum Pinzgauer des Jahres – auf einen Rundgang durch „sein“ Museum begleiten.
 Ein Artikel von Doris Thallinger
Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Fotos: www.kaindl-hoenig.com

Die Leidenschaft für seine Ausstellungsstücke, die kostbaren Exponate des Bergbau- und Gotikmuseums, die kann Hermann Mayrhofer nicht verbergen. Mit strahlenden Augen erklärt er die Schätze, die hier von längst vergangenen Tagen zeugen und dennoch so unmittelbar mit der Geschichte und Entwicklung unseres Bundeslandes verbunden sind. „Unser Anliegen ist es, das mittelalterliche Salzburg, das so sehr durch den Bergbau geprägt ist, in den Vordergrund zu rücken. Denn dieses mittelalterliche Salzburg hatte im damaligen Europa eine sogar sehr große Bedeutung, durch den Bergbau, durch den Handel und durch die Fürsterzbischöfe“, erläutert er, während er uns durch das Museum führt. Hier reiht sich eine Besonderheit an die nächste – und zu jedem Exponat hat Mayrhofer eine Geschichte zu erzählen, eine persönliche Erinnerung, den Hintergrund. Mit seinen Ausführungen wird die Historie lebendig, sein Schwärmen wirkt ansteckend und macht richtiggehend neugierig. Neugierig darauf zu erfahren, wo welches Stück herkommt und wie es seinen Weg ins Bergbau- und Gotikmuseum geschafft hat. So wie beispielsweise das Tafelbild, das dem Besucher sofort ins Auge sticht. „Dieses Tafelbild ist etwas ganz Besonderes, es stammt aus einer aufgelassenen Sammlung aus einem Schloss am Mönchsberg, ebenso wie unser gotischer Flügelaltar.“ Zu sehen sind echte Prachtstücke der gotischen Möbelkunst, beeindruckend ob ihrer Schnitzereien oder der wunderschönen Schmiedeeisenarbeiten. Prachtstücke, die es dem unermüdlichen Eifer und Engagement des Kustos Hermann Mayrhofer verdanken, heute hier der Öffentlichkeit zugänglich zu sein.

_MG_0334„Unser Sammelgebiet ist das frühere Gebiet des Erzstiftes Salzburg und darüber hinaus alles, was einst zur Kirchenprovinz Salzburg zählte. Von Salzburg aus sind ja weite Teile Mitteleuropas missioniert worden, von Brixen bis nach Aquileia. Und auch wir halten uns heute an die Grenzen des Erzstiftes Salzburg, das bis zum Zillertal ging; Matrei gehörte ebenso dazu wie Teile Kärntens, der Steiermark und sogar einige Gemeinden der Wachau.“ Und so ist Hermann Mayrhofer auch sehr viel unterwegs gewesen. „Ja, ich bin sehr viel gereist, vor allem Europa kenne ich sehr gut. Insbesondere jene Teile Europas, die einst zu Österreich gehört haben, haben mich sehr interessiert. Entsprechend bin ich auch oft in die ehemaligen Ost-Staaten gereist, nach Ungarn und bis in die Ukraine!“
Seiner Heimat – Leogang und dem Pinzgau – den Rücken zu kehren, das war für den heute 72-Jährigen nie eine Frage: „Es ist gar nicht zur Diskussion gestanden – bereits mit 21 Jahren bin ich zur Gemeinde gekommen und habe mich damit stark identifiziert.“

Wichtigkeit der Wurzeln
„Schon in meinem Elternhaus wurde die heimische Kultur sehr gepflegt. Und durch meine Tätigkeit in der Gemeinde habe ich einen sehr tiefen Einblick in die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen bekommen. Wir haben einen aufstrebenden Tourismus – dazu braucht man auch eine Geschichte, eine Identität, einen geistigen Hintergrund. Bei der Eröffnung des Bergbau- und Gotikmuseums vor 25 Jahren habe ich gesagt: ‚Wer nicht weiß, wo er herkommt, weiß nicht, wo er steht und weiß auch nicht, wo er hingeht!‘“ Worte, die heute noch genauso gelten – mehr denn je.

Zukunftspläne
Im Jahr 2019 steht bereits die nächste Eröffnung ins Haus: Derzeit wird intensiv am Nachbargebäude des Museums gearbeitet – verbunden durch einen Tunnel entsteht hier ein sehr qualitätsvolles Bauwerk, in dem das mittelalterliche Leben in Salzburg umfassend dargestellt werden soll. „Wir planen gerade intensiv die Ausstattung, die Einrichtung und, natürlich, sehr hochwertige Exponate. Auch die Eröffnungsausstellung ist bereits in Planung: „Gemeinsam mit der Nationalgalerie in Prag werden wir die schönsten der „Schönen Madonnen“ ausstellen!“, freut sich Hermann Mayrhofer über ein weiteres Erfolgserlebnis.

_MG_0323

Die wahrscheinlich älteste der „Schönen Madonnen“, die in Steinguss hergestellt wurden.

_MG_0317
_MG_0320
Alle Beiträge aus Gesellschaft & Kultur


Facebook Icon