Wüste, Urwald und wilde Tiere

Epupa-Wasserfälle

Wüste, Urwald und wilde Tiere

Eine Reise in ein Land der Extreme, Farben und Formen, Gegensätze und großartiger Natur: Namibia. Eine vielfältige und noch einigermaßen erhaltene Arten- und Pflanzenwelt trifft auf eine außergewöhnliche Mischung aus afrikanischer Kultur und europäischen Einflüssen.
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Fotos: G.Renger

Seinen Namen hat dieser Staat, der erst seit 1990 nach langer, wechselhafter Kolonialzeit und südafrikanischer Verwaltung selbstständig ist, von der Namib-Wüste, deren riesige Dünen im Süden des Landes oft bis zur Atlantikküste reichen. Und so ist das ganze Land letztlich von Wüsten geprägt, im Süden und entlang der Küste von der Namib und im Landesinneren durch die Kalahari. Dazwischen liegt ein durchschnittlich 1.700 Meter hoher Gebirgszug mit dem rund 2.000 Meter hoch liegenden Binnenhochland um die Hauptstadt Windhoek, wo man die Reise durch das ehemalige Deutsch-Westafrika meist beginnt.

Kontraste und Harmonie

Gleich vorweg: Ein Urlaub in Namibia erfordert Zeit, nicht nur, weil das Land so groß ist, auch, weil es einfach viel zu sehen und zu erleben gibt. Nur einen 10-Stunden-Nachtflug ohne wesentliche Zeitverschiebung von Europa entfernt, ist Namibia mit mehr als 300 Sonnentagen im Jahr eine Ganzjahresdestination. So kommt man ohne Jetlag in der beschaulichen Hauptstadt Windhoek an, die sich als interessanter und farbenfroher Mix aus euro-päischen und afrikanischen Einflüssen präsentiert. Wie aufgrund der Geschichte mehrfach feststellbar, gibt es hier viele Beispiele deutscher Kolonialarchitektur, etwa die „Alte Feste“ und der „Tintenpalast“, der heute als Regierungssitz dient. Ein gerne fotografiertes Motiv in Windhoek ist auch das Reiterdenkmal, das an die nicht besonders rühmliche Kolonialherrschaft und die Aufstände von 1904 erinnert, aber auch das gut erhaltene Bahnhofsgebäude im Nordwesten des Stadtzentrums ist sehenswert. Ansonsten fasziniert hier der beeindruckende und vor allem harmonische Kontrast zwischen afrikanischer Kultur und europäischem Einfluss. Die offizielle Landessprache ist zwar Englisch, aufgrund der kolonialen Vergangenheit sprechen aber noch heute viele Einwohner deutsch. Das macht es für österreichische Besucher besonders leicht, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und vielleicht von einem „Einheimischen“ bei einem hier gebrauten, „deutschen“ Bier etwas mehr über das Land zu erfahren.

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Savanne, Urwald und Wüste

Namibias Hauptattraktionen sind sicherlich die zehn Nationalparks, an der Spitze der Etoscha-Nationalpark mit seiner Fläche von mehr als 22.000 Quadratkilometern. Dieser ganzjährig geöffnete Nationalpark ist eines der bekanntesten Tierschutzgebiete der Welt mit einmaligen Möglichkeiten, wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu können. Der großteils savannenartige Nationalpark schließt ein riesiges, salzhaltiges Becken ein, die „Etosha-Pfanne“, das nur saisonal mit Wasser gefüllt ist. Hier brüten zeitweise riesige Vogelschwärme, sie und ganze Herden verschiedenster Tiere, von Elefanten bis zu Löwen, sind aus gesicherten Fahrzeugen und Beobachtungspositionen beliebte Fotosafari-Objekte. Als Unterkunftsmöglichkeiten gibt es nur drei Camps, die nachts wie der gesamte Park abgeschlossen sind – zu wessen Schutz wohl?

Weiter im Norden an der Grenze zu Angola, Sambia und Botswana liegt im nordöstlichen Zipfel Namibias der wasserreiche Caprivi-Streifen samt kleinerem Nationalpark, wo das satte Grün tropischen Urwalds das Bild bestimmt und wo neben den Elefanten auch Büffel und Flusspferde zu sehen sind. Ganz anders zeigt sich der Landschaftscharakter im Süden Namibias. Hier bestimmen Weite, Sand und Trockenheit der Namib-Wüste das Bild, bis zu 300 Meter hohe Dünen bei Sossusvlei – angeblich die höchsten der Welt – sind Teil des Namib-Naukluft-Parks, dessen Erforschung einer der Höhepunkte einer Namibia-Reise sein kann: Die Schönheit der Farben, die Lichtspiele der Sonne und der Wechsel des Lichts raubt nicht nur Naturliebhabern und Fotografen den Atem. Besonders beeindruckend ist ein Flug mit einem Kleinflugzeug oder eine Ballonfahrt bei Sonnenaufgang: Die unterschiedlichsten Formen der Wüste, die Intensität der Farben und die ursprüngliche Schönheit bleiben unvergesslich. Im Norden, an den Wüstenausläufern verursacht der Besuch der sogenannten Skelett-Küste Gänsehaut, Schiffswracks und eine unheimliche Atmosphäre vermitteln einen Eindruck, der die menschliche Ohnmacht im Vergleich zur Macht der Natur verdeutlicht.

Spektakulär ist auch ein Blick oder eine Wanderung in den Fish River Canyon, dem weltweit zweitgrößten Canyon, der sich auf einer Länge von 160 Kilometern bis zu 550 Meter tief und bis zu einer Breite von 27 Kilometern in das Gestein der Halbwüstenlandschaft gegraben hat.

Historische Städte, Wellness und Kulinarik

Erholung von anstrengenden Safari-Tagen kann man neben einigen luxuriösen Thermal-Wellness-Resorts im Badeort Swakopmund am Atlantik finden, einer Kleinstadt mit Palmenalleen, viel Kolonialarchitektur und Hinweisen auf die deutsch bestimmte Vergangenheit. Ein Ausflug führt von dort mit dem Boot zur Walvis Bay Lagoon:Pelikane, Delfine und Zehntausende von Seehunden, die auf den Sandbänken vor Walvis Bay leben – ein lautstarkes Erlebnis, das man nicht versäumen sollte.

Epupa-Wasserfälle

Einen Besuch ist auch die interessante Hafenstadt Lüderitz im Süden Namibias wert, vor allem, weil dieses nach dessen Gründer benannte Städtchen der erste deutsche Siedlungsort war und durch seine auf Felsen errichteten Jugendstilbauten architektonisch Bemerkenswertes bietet.

Generell bietet Namibia eine derartige Vielfalt von Eindrücken, dass man sie in wenigen Zeilen kaum beschreiben kann. Die ausgezeichnete Infrastruktur ermöglicht sicheres und bequemes Reisen, die Menschen sind gastfreundlich und sogar kulinarisch hat das Land mehr aufzuwarten, als man vermutet, vom Fisch bis zum Wild und die schmackhafte Kalahari-Trüffel. Wer also Natur pur, Afrika in einer harmonischen Art und den klarsten Nachthimmel der Welt mit unzähligen Sternen erleben möchte, der sollte Namibia als Reiseziel wählen.

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